Glosse Greenwashing: Waschanleitung für ein sauberes Image
Wie Unternehmen ihre Produkte grün lügen

Grün verkauft sich. Zwar sind viele Produkte nicht wirklich umweltfreundlich, aber mit ein paar einfachen Tricks ist das vertuscht. Unsere greenwashing-Anleitung zeigt wie es geht und wie Umweltlügner enttarnt werden.

22.12.2009 - 15:12
Von Robert Laurenz

Das Produkt: nicht wirklich nachhaltig, alles andere als ökologisch wertvoll. Die Konkurrenz macht es irgendwie umweltfreundlicher, der Hersteller ist der Buhmann der grünen Bewegung. Nicht den Kopf hängen lassen. Nach einer grünen Wäsche sieht das ganz anders aus, und so funktioniert es. Vorab: Liebe Unternehmer, bitte nicht daheim oder im Büro nachmachen.

Schritt 1: Wäsche vorsortieren

Bevor es losgeht müssen Sie Ihre Wäsche sortieren. Anders als im wahren Leben: Das wirklich Schmutzige lassen wir unter den Tisch fallen, den Rest waschen wir knackig grün. Wäsche sortieren heißt: zerlegen Sie Ihr Produkt in Einzelteile, isolieren Sie einzelne Aspekte. Für jede einzelne Komponente fragen Sie sich anschließend: Was ist daran grün, nachhaltig oder schont die Umwelt, zumindest ansatzweise?

Denken Sie an den gesamten Lebenszyklus des Produkts, von der Konzeption über die Entwicklung, die Beschaffung der Rohmaterialien, die Herstellung, die Werbung, den Verkauf, den Transport, die Benutzung und die Entsorgung. Betrachten Sie auch jedes Einzelteil des Produktes: Die Verpackung, das Basisprodukt, die Produkterweiterungen, einzelne Produktkategorien. Welche Einzelaspekte des Produktes gibt es? Kundegruppen, Nutzerverhalten, Werbung, Vertriebswege?

Wenn Sie einem ganzen Unternehmen einen grünen Anstrich verpassen wollen - z.B. mit einer Imagekampagne - dann müssen Sie gröber sortieren:  Suchen Sie sich die Unternehmensbereiche oder Produktlinien herraus, bei denen schon ein Hauch an grün vorhanden ist. Wenn es partout nichts gibt, kaufen Sie sich das passende Unternehmen oder gründen Sie schnell eine geeignete Sparte.

Schritt 2: Aus grau wird grün: Unwichtiges Betonen, wenn es grün macht

Egal wie pfui: Irgendetwas haben Sie bestimmt gefunden, was an Ihrem Produkt ansatzweise nachhaltig ist oder die Umwelt schont. Nach dem Motto: Der Lack für den Gartenzaun enthält giftige Zusatzstoffe? Aber die Umverpackung ist aus 100% Recycling-Papier! Die Herstellung der Elektrogeräte verschmutzt das Wasser? Aber die Energie-Effizienzklasse des Mixers ist super!

Das Positive stellen Sie heraus, der Rest wird vertuscht: In der Werbung und auf der Verpackung. Schulen Sie ihr Verkaufspersonal, bloggen Sie darüber, lassen Sie Leser-Briefe schreiben, beflügeln Sie Mund-zu-Mund Propaganda, kommunizieren Sie mit Meinungsmachern.

Für echte Waschprofis noch folgende Tipps: 

Tipp: Der richtige Vergleich. Beim Aufhellen ist besonders wichtig, dass Sie sich nicht mit der Buntwäsche anderer vergleichen. Wenn Sie ein schmutziges Produkt haben, dann vergleichen Sie es nicht mit den Öko-Strebern: Das lässt Sie nur schlecht aussehen, egal wie sehr Sie sich anstrengen. Bleiben Sie auf dem schmutzigen Moden der Tatsachen: Stellen Sie Vergleiche nur innerhalb der selben Kategorie an.

Wenn Sie einen Spritfressenden Zweitonnen-Geländewagen an Birkenstockträger verkaufen wollen stehen Sie nicht gut da, wenn Sie den Benzinverbrauch mit einem Mittelklassewagen vergleichen. Stellen Sie lieber heraus, dass innerhalb der Klasse der Geländewagen das Modell vergleichsweise gut abschneidet. Das tut er nicht? Zurück zu Schritt 1, Sie haben Ihre Wäsche nicht richtig sortiert, finden Sie ein anderes Merkmal, dass Sie grün malen können. Das Auto ist in Europa montiert? Das schont die Umwelt, weil das Fahrzeug nicht aus Fernost herangeschifft werden muss (zumindest für die Kunden in Europa).

Tipp: Vage bleiben. Halten Sie den Kunden und sich nicht mit Details auf. Ein bischen Wischi-Waschi hat noch nie geschadet. "Artgerechte Tierhaltung", "CO2 gerecht", "Umweltschonende Herstellung" oder "wieder verwertbar" sind Beispiele für: hört sich sauber an, sagt aber wenig aus.

Tipp: Öko-Siegel erfinden. Das Produkt erfüllt leider keine Voraussetzungen für ein anerkanntes Zertifikat. Macht nichts. Erfinden Sie einfach ein eigenes Label. Vielleicht ein grüner runder Kreis, ein Baum in der Mitte und ein schöner Spruch wie "Grün kaufen". Im Wirrwarr der Öko-Zertifikate kennt sich der Verbraucher nicht aus, Ihr neues Abzeichen wird kaum einem Käufer verdächtig vorkommen.

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Unser Autor

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Robert Laurenz

Nach seinem Studium der Biologie arbeitet Herr Laurenz mehrere Jahre für einen Energieversorger im Bereich der Projektplanung. Heute ist er als Gutachter und Sachverständiger in Fragen des Umweltschutzes tätig. Robert Laurenz engagiert sich in seiner Freizeit für gemeinnützige Projekte, vorzugsweise im Bereich Ökologie und Umweltschutz.

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