Artikel Fräulein "Apple"
Charakter und Macken einer Lifestyle Schönheit
Sie ist eine heiß begehrte Begleiterin, die jeder gerne an seiner Seite hat. Aber mit wem Fräulein Apple ausgeht und mit wem nicht entscheidet immer noch der Papa mit: Offene Standards gehören nicht gerade zu den großen Leidenschaften Apples. Ohne den Segen des Konzerns kommt keine der beliebten Zusatzanwendungen (kurz "Apps" für "Applications", dt. Anwendungen) auf das iPhone. Apps können von jedermann entwickelt werden und machen das iPhone erst zu dem Multitalent, für das es die Kunden lieben. Apple wacht, welche Anwendung in den Apple-Store gelangen und nur über diesen können sich Kunden die teils kostenlosen, teils kostenpflichtigen Progrämmchen auf ihr Gerät laden.
Manchmal weist Apple die Anwendungen aus nicht ganz einsichtigen Gründen ab: So verbannte der Konzern eine App, mit der Nutzer Zugriff auf die beliebten Southpark-Comics bekommen sollten. Begründung: die Streifen seien "potentiell anstößig" wegen ihrer derben Satire, Parodie und Sozialkritik. Eine andere App sollte Nutzern die Kontaktdaten aller amerikanischen Senatoren bekannt machen, ein direkter Draht zum eigenen Abgeordneten ist in den USA sehr wichtig. Die einzelnen Karteikarten der Senatoren waren mit Politiker-Karikaturen versehen. Auch dieses Helferlein enthielt Apple seinen Nutzern vor, wohl wegen den politisch unkorrekt angesehenen Karikaturen.
Die spanische Fassung des Hitler-Buches "Mein Kampf" bahnte sich dagegen den Weg über den App-Store zu den Nutzern, zumindest für kurze Zeit: nach massiven Protesten wurde der Zugang für das in Deutschland verbotene Buch gekappt. Programmiererherzen, die für die junge Dame schlagen brauchen also Feingefühl und guten Draht zu Papa Apple.
Die Nichtraucherin
Wie ein Apple-Kunde im amerikanischen Bundesstaat Iowa erfahren musste, ist Fräulein Apple eine bekennende Nichtraucherin. Nachdem ein Kunde sein Apple-Notebook zum Kundendienst gebracht hatte, wurde im telefonisch mitgeteilt, die Garantie des Gerätes sei verfallen. Warum? Das Gerät sei nach Einschätzung des Kundenservices in einem Raucher-Haushalt betrieben worden. Die Garantie ist nicht etwa verfallen, weil die Rauchpartikel der Elektronik geschadet hätten. Die Reparatur sei vielmehr den Mitarbeitern von Apple nicht zuzumuten, da sie bei der Arbeit passiv rauchten. Offenbar keine Einzelfälle.
Eine passende Erklärung hat Fräulein Apple natürlich auch parat: Nikotin steht auf einer Liste gefährlicher Substanzen einer amerikanischen Arbeitsschutzbehörde. Etwas derart Verseuchtes zu reparieren könne man den Mitarbeitern nun wirklich nicht zumuten.
Wer mit Fräulein Apple anbandeln will darf also nicht zum Glimmstängel gegriffen haben und sich wohl auch nicht die Haare färben: Denn das zum Blondieren häufig verwendete Wasserstoffperoxyd steht auch auf der US-Liste giftiger Stoffe.
Die Verschwiegene
Sie spricht nicht gerne über sich und auch nicht über ihre Pläne. Man könnte es "Verschwiegen" nennen aber "geheimisvoll" würde Fräulein Apple mehr schmeicheln.
Auf Zukunftspläne angesprochen bekommen Journalisten vom Lifestyle-Unternehmen regelmäßig zu hören: "We don't comment on future product plans", wir äußern uns nicht zu Plänen für neue Produkte. Schatz, willst du mich heiraten: Ich äußere mich nicht zu meinen persönlichen Zukunftsplänen, keine leichte Beziehung.
Die Verschwiegenheit führt zu Spekulationen der Fan-Gemeinde, was der Lifestyle-Riese wohl gerade im Schilde führt. Wenn das Unternehmen dann ein neues Produkt auf den Markt wirft, sorgt das für öffentlichkeitswirksames Medienecho.
Zuweilen sorgt die Verschwiegenheit des Konzerns aber bei Aufsichtsbehörden für Nervosität: Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hatte Anfang 2009 laut einem dpa-Bericht untersucht, ob das Unternehmen nicht ausführlicher über den Gesundheitszustand seiner Schlüsselfigur Steve Jobs berichtet hätte müssen. Anfang Januar hatte der Apple-Vater seine Gesundheitsprobleme als relativ leicht zu behandeln dargestellt. Eine gute Woche später wurde dann mitgeteilt, Steve Jobs müsse bis Ende Juni eine gesundheitliche Auszeit nehmen. Steve Jobs unterzog sich in dieser Zeit einer Lebertransplantation. Ein Fehlverhalten des Konzerns bei der Information der Öffentlichkeit wurde jedoch nie festgestellt.
Fräulein Apple ist also nicht gerade eine Plaudertasche, in den Augen vieler Männer dürfte das aber mitunter auch als positive Charaktereigenschaft empfunden werden.

Leserbriefe
"Auch das Herunterladen von
"Auch das Herunterladen von Musik für den iPod funktioniert nur über iTunes, den Apple-eignen digitalen Plattenladen."
Nun, das stimmt so nicht. Solange es sich um schlichte MP3s handelt, können die Dateien überall her kommen, z.B. auch von Amazons Download-Store.
Falsche Tiefenpsychologische Einschätzung
Apple zeigte von Anfang an Berührungsängste mit anderen Firmen. Nachahmer wurden bekämpft und die Vergabe von Lizenzen waren nie eine ernsthafte Alternative für das geschlossenen System von Apple. Hier ein Auszug der D2007
Q about what they've learned and what they could have learned from the other guy. Bill: I'd give a lot to have Steve's taste. Laughter. Intuitive taste and products. The way he does things is just different. Just... wow. Steve: We weren't so good with partnering with people. Bill and Microsoft were really good at it. ...
http://www.engadget.com/2007/05/30/steve-jobs-and-bill-gates-historic-di...
Herunterladen ...
Das ganze Statement "Auch das Herunterladen .... Kompatibilität auf Wiedersehen." ist gelinde gesagt "unvollständig". Ich wundere mich, dass dazu noch keiner der Dampf-Kommentatoren hier seine üblichen Gruseligkeiten hinterlassen hat.
Zur Sache:
um einen iPod / ein iPhone zu betanken braucht man das Programm iTunes (gibts kostenlos auch für Windows). Der iPod wird an den PC angeschlossen und das Zeug mit dem entsprechenden Inhalt von iTunes synchronisiert.
iTunes weigert sich geschützten Content auf den iPod zu laden, wenn er nicht persönlich aus dem iTunes Store gekauft wurde. Nur das iPhone und der iPod Touch können wegen ihrer Netzfähigkeit auch direkt auf den iTunes Store zugreifen und Content kaufen.
freier Content (also Sachen, die nicht mit einem Schutz (DRM) belegt sind z.B. auch Musik in mp3 oder Filme in mp4) können auf den iPod übertragen werden, sofern sie sich in iTunes auf dem PC befinden.
4.keine Kompatibilität: diesen Vorwurf kann man Apple sicher an manchen Stellen machen. Aber nicht in Sachen Musik und iTunes. Dass Apple die Ware aus seinem Laden gegen beliebige Vervielfältigung schützt hat damit nichts zu tun. Die Kombi iPod und iTunes hat sich nicht von ungefähr so breitgemacht.
Nette idee - aber ...
"Fräulein" ist nicht mehr politisch korrekt. Jeder weibliche Mensch (mindestens in Deutschland) hat das Recht mit Frau angesprochen zu werden.
Dass da zu Beginn plötzlich ein Papa Apple auftaucht, ist bezogen auf den Gesamtzusammenhang unlogisch.
Es fehlt "Die Zicke": Reaktionen von Apple z.B. auf ähnliche Produkte und den Versuch OS X auf normaler Hardware zu verkaufen (PsyStar).
Es fehlt "Die Mondäne": Es wird immer etwas kostspieliger sein, mit Frau Apple anzubändeln.
Es fehlt "Die Selbstbewusste" (Worte mit dem Teil "emanz..." hab ich mir jetzt verkniffen): Die Werbespots von Apple (I'm a Mac) gehören zu dem Besten was es in den letzten Jahren gegeben hat.
Es fehlt "Die Prinzessin": Die Räume, in denen sich Frau Apple zur Schau stellt, sind riesige lichtdurchflutete Glaspaläste, vor denen sich schon Tage vorher Schlangen von Bittstellern bilden, wenn Frau Apple wieder mal mit einem neuen Hütchen vorbeischaut.
Ansonsten sind einige technische Details fraglich/ungenau/falsch (Apps/Appstore, Akkus, iTunes, OS X). Im Rahmen eines solchen Artikels hätte das durch etwas mehr "untechnischere" Formulierungen vermieden werden können.
jaja, die psychologie...; die wurzeln liegen tiefer als 2007
zwei interessante links in dieser sache:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Berater-iPhone-Fans-leiden-unter-...
und
http://futurezone.orf.at/stories/1634128/
Was noch fehlt ...
in Ergänzung zu meiner Anmerkung:
“Get A Mac”-Werbespots zur Kampagne des Jahrzehnts gekürt
http://bit.ly/6bU7QU
Herzlichen Gruß
Feedback zu spät :-(
Hallo Herr Hocke, soviel kritisches Feedback hätten wir früher gebraucht, schade, dass Sie noch nicht dabei waren, als der Artikel entworfen und freigegeben wurde. Melden Sie sich doch an, dann können Sie Ihre Expertise einbringen, bevor es zu spät ist :-)
Danke für die Hinweise.
Grüße
MJ
Feedback zu spät? --- Problem Henne oder Ei
Ja ja, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Jetzt muss ich hier sitzen und weinen, dass meine Expertise nicht zu einem anderen Artikel geführt hat.
Aber was spricht dagegen, den Artikel auf Grund von Feedback zu erweitern/ändern. Sie würden damit zeigen, das Sie die Diskussion mit der Welt außerhalb netzpublik.de ernst nehmen und nicht nur :-) sagen.
Wie an anderer Stelle schon bemerkt, finde ich den Ansatz interessant, aber für mich zum mitmachen derzeit noch zu geschlossen (öffentliche Gesamtdarstellung des Redaktionsteams. Was ist in der Pipeline? Schnellere/gänzliche Freigabe der Kommentierung. ...) Na ja, vielleicht tut sich ja noch was.
Herzlichen Gruß
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