Hintergrund Carbon Footprints
Fußtritte gegen das Klima

Kalorienzählen war früher, heute werden CO2-Emissionen gezählt, beim Essen, Wohnen, Reisen und überall sonst. Woran es bei Klimabilanzen hapert und wieso 40.000 Tonnen CO2-Ausstoß gut für das Klima sind.

22.12.2009 - 15:12
Von Julia Wagner in Zusammenarbeit mit Mirjam Neller, Robert Laurenz

Der Carbon Footprint ist wörtlich genommen der Kohlendioxid-Fußabdruck: das was ein Produkt oder Mensch an klimaschädlichen Gasen in die Umwelt jagt. Gerechnet wird in CO2-Tonnen. Der Carbon Footprint kann für Menschen, Dienstleistungen aber auch für Produkte ermittelt, werden, er ist eine Art CO2-Bilanz.

Klimabilanzen für Produkte (Product Carbon Footprints)

Bei Produkten gibt der Carbon Footprint an, welchen CO2 Ausstoß das Auto, das Waschmittel oder die Kaffeebohnen während der gesamten Lebensdauer verursacht haben, von der Herstellung über den Transport bis zum Verbrauch und Recycling.

Klimaschädlich sind neben dem Kohlenstoffdioxid auch andere Gase wie Methan, Lachgas oder FCKW, ihr Ausstoß wird zur einfacheren Vergleichbarkeit in CO2-Tonnen umgerechnet. Ein Kilogramm Methan wird zum Beispiel mit 25 kg CO2 gewertet, da Methan ein schädlicheres Treibhausgas ist als CO2.

Eine gute CO2 Bilanz ist heute für Produkte ein Gütesiegel und kann den Verkauf bei ökologisch bewussten Konsumenten ankurbeln. Eine produktbezogene Klimabilanz, der so genannte "Product Carbon Footprint" (PCF)  könnte schon bald auf vielen Produkten ausgewiesen sein und Verbraucher darüber informieren, wie klimafreundlich oder -schädlich das Produkt ist. Oder desinformieren. Denn bei der Ermittlung des Carbon Footprints gibt es noch Probleme. Zwar regelt die Ökobilanznorm ISO 14040 ff. wie CO2-Bilanzen für Produkte erstellt werden sollen, jedoch bestehen viele Auslegungsregeln, worunter die Vergleichbarkeit von Carbon Footprints verschiedener Produkte leidet. Zu viele Möglichkeiten bestehen noch, die CO2-Bilanz schön zu rechnen. Solange die unterschiedlichen Auslegungsmöglichkeiten nicht vereinheitlicht sind haben Ranglisten über klimafreundliche oder -schädliche Produkte nur bedingt Sinn.

So muss an vielen Stellen einer Ökobilanz geschätzt werden. Wird bei der Herstellung oder dem Vertrieb eines Produktes Energie benötigt, stellt sich die Frage nach dem Energieträgermix. Je nachdem, ob Kohle, Gas oder z.B. Atomstrom als Energieträger herangezogen wird, kann die CO2-Bilanz ganz unterschiedlich ausfallen.

Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) warnt in Anbetracht fehlender internationaler CO2-Bilanzierungsstandards vor "Wettbewerbsverzerrungen und Irritationen der Verbraucher".

Die persönliche Klimabilanz

Auch Menschen können Ihre eigene Klimabilanz aufstellen und ermitteln, welchen Teil sie zum Treibhauseffekt beitragen. Eine Vielzahl von Webseiten bieten hierzu CO2-Rechner an.

Ein Flug von München nach Berlin schlägt zum Beispiel mit 150 kg Kohlendioxid zu buche, das ist mehr als ein moderner Kühlschrank im ganzen Jahr verursacht (124 kg bei 200 kWh Verbrauch). Zur Oma am Wochenende mit dem Auto, 50 km hin und zurück: das macht dann bitte 20 kg CO2 (bei 7 Liter/km Benzinverbrauch). Eine Kilo Bananen, kostet 1,39 Euro im Supermarkt und belastet das Klima mit 850g CO2. Ein vergleichsweises Schnäppchen, rechnet man für 1 kg Rindfleisch einen Kohlenstoffdioxid-Ausstoß von 13 kg.

Die Zahlen können jeweils nur als Mittelwert verstanden werden. Gerade bei Lebensmitteln ist die Ermittlung der CO2-Bilanz äußerst aufwändig: viele unterschiedliche Agrarbetriebe auf Herstellerseite, Unterschiede in der Art des Anbaus und starke saisonale Schwankungen bei Ertrag, Lagerhaltung oder Kühlung sind einige Faktoren die das Klimarechnen bei Lebensmitteln besonders schwierig machen, so ein Memorandum des Ökoinstituts zum produktbezogenen Carbon Footprint. Das Bundesumweltministerium hält entsprechend eine CO2-Kennzeichnung für Lebensmittel noch nicht für sinnvoll. Um den Unternehmen eine praktische Handlungsanleitung zu geben, entwickelt die Behörde derzeit aber gemeinsam mit der Wirtschaft einen Leitfaden zur Erstellung von Klimabilanzen.

CO2-Bilanz von Copenhagen

Eine saftige Rechnung in Sachen klimaschädlicher Gase präsentiert auch die als gescheitert zu betrachtende Klimakonferenz in Kopenhagen. Die diversen Staatsgäste und Delegationen aus der ganzen Welt sind mit Ihren Jets angedüst und haben schon dabei ordentlich CO2 in die Atmosphäre geblasen.

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