Kommentar Haiti
Hilfe aus Amerika marschiert ein

Ein haitianisches Mädchen erhält eine ärztliche Behandlung in der ad-hoc Krankenstation der UN (MINUSTAH).
Foto/Quelle: United Nations Development Programme/Logan Abassi Lizenz: CC-BY 2.0

Die USA haben eine gigantische humanitäre Invasion auf Haiti begonnen. Den Krieg gegen die Not führen sie aber auch in ihrem eigenen Interesse.

21.01.2010 - 13:29
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Amerika hat sich in der Karibik zur Krisenbewältigungs-Supermacht ernannt. Auf Bitte dessen, was von der haitianischen Regierung noch übrig ist, übernahm am Wochenende die USA nun auch offiziell die Kontrolle über den Flughafen der Hauptstadt Port-auf-Prince, dem Nadelöhr eintreffender Hilfslieferungen.

Krieg gegen die Not

Eine Armada von Kriegsschiffen hat Präsident Obama in Richtung Haiti in Bewegung gesetzt. Angeführt wird die Hilfsinvasion von dem US-Flugzeugträger Cal Vinson, einem schwimmenden Stützpunkt, der die notleidende Bevölkerung mit sauberem Wasser und Lebensmittel versorgen soll und dessen Hubschrauber Hilfslieferungen zu den Menschen bringen. Am Montag wurden fünf weitere Versorgungsschiffe Richtung Haiti geschickt. Mittlerweile sind zudem über 10.000 US-Soldaten auf Haiti, vornehmlich um Hilfsgüter zu verteilen und den Flughafen zu sichern, wie von US-Seite stets betont wird.

Unterdessen wird auch an der Heimatfront gekämpft: Die ehemaligen US-Präsidenten Clinton und Bush gründen den "Clinton Bush Haiti Fund". Die Namen der Ex-Präsidenten sollen helfen, Gelder für einen kurz- und langfristigen Krieg gegen die Folgen des Bebens zu sammeln. Spenden für Haiti ist den USA der große Hype: Bürger spenden millionenfach 10-Dollar Beträge per SMS, Basketballer machen 100.000 Dollar-Summen locker. Die US-Sender MTV, ABC, CBS, NBC, CNN, FOX und HBO strahlten am Freitag eine zweistündige Spendengala live aus: "Hoffnung für Haiti", made in Hollywood, moderiert von George Clooney. Spenden kommt gut an.

Der Anti-Erdbeben Feldzug der USA hilft den vom Schicksal getroffenen Menschen auf Haiti. Nur eine militärische Supermacht wie die USA ist in der Lage in kurzer Zeit soviel Mann und Material in der Karibik zu versammeln, wie es das Jahrhunderterdbeben erfordert.

Helfen für die Heimatfront

Doch den Feldzug führt die USA auch für das eigene Land. Barack Obama, innenpolitisch mittlerweile deutlich unbeliebter als noch zu seinem Amtsantritt vor einem Jahr, kann sich als souveräner Krisenmanager präsentieren. Sein Amtsvorgänger Bush hatte bei der Katastrophe durch Hurrikan Katrina oder beim Tusnami in Südostasien ein miserables Bild abgegeben. Perfekt dagegen die Außendarstellung seines Nachfolgers: bereits eine halbe Stunde nach Bekanntwerden des Bebens gab das Weiße Haus eine Erklärung ab, alle öffentlichen Termine des Folgetages wurden abgesagt. Ein Tag nach der Katastrophe hatte die Superhilfsmacht bereits 100 Millionen Dollar zugesagt.

Hinzu kommt, dass Florida mit einem verheerenden Flüchtlingsstrom rechnen müsste, wenn sich die Lage in Haiti nicht kurz- und mittelfristig verbessert. Zwar wollen die USA die derzeit etwa 30.000 illegal in Amerika lebenden Bewohner Haitis vorübergehend dulden und so eine Abschiebung in das Katastrophengebiet verhindern. Einen massenhaften Zustrom von Flüchtlingen aus dem zerstörten Land muss es aber unbedingt verhindern. Der Plan des amerikanischen Roten Kreuzes tausende Flüchtliche in Florida zu versorgen dürfte auf geteiltes Echo treffen. Die USA versuchten schon seit längerem die Inselbewohner von Ihrem Land fernzuhalten, so Bill Quickley vom US-Zentrum für Verfassungsrecht in der US-Radiosendung "DemocracyNow".

Auch mittelfristig hat die USA ein starkes Eigeninteresse, vor der eigenen Haustür für Ruhe zu sorgen. Eine kurz- und langfristige Unterstützung Haitis durch die USA würde den Einfluss der Amerikaner in der Region verbessern. Dass die Hilfe von heute der Einfluss von morgen ist hat auch Venezuela herausgefunden. Präsident Chavez hat schon die ersten Hilfstrupps entsandt, wie US-Medien berichteten.

Die Welt darf nicht weiter zusehen 

Nun liegt das Augenmerk der Welt auf Haiti, vorübergehend zumindest. Die USA und die Weltgemeinschaft werden sich etwas einfallen lassen müssen, um dem gebeutelten Land eine Perspektive zu geben. "Die Armut Haitis ist beschämend für unsere Zeit" schreibt Kuba's Führer Fidel Castro in einem Editorial und damit nicht recht.

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