Kommentar Googles Rückzug aus China
Gut für das Unternehmens-Image, bedeutungslos für die Meinungsfreiheit

Ein Riese schmollt. Nachdem vermeintlich chinesische Hacker einzelne Konten von Googles E-Mail Service ausspioniert haben, erwägt der Suchmaschinenbetreiber sich aus China zurückzuziehen - zum eigenen Nutzen.

26.01.2010 - 21:00
Von Lena Hofmann

Die Hacker haben bei Ihrem Angriff auf Google die E-Mails chinesischer Oppositioneller ausgelesen. Den Angriff ermöglicht hat eine Sicherheitslücke im Microsoft Internet Explorer. Die Ankündigung sich aus China zurückziehen ist aus Unternehmenssicht schlau, der Hackerangriff dürfte indes nur ein Anlass für den strategischen Zug des Suchprimus gewesen sein.

Google konnte auf dem chinesischen Markt bisher nicht so Fuß fassen wie in anderen Ländern. Obwohl seit 2006 präsent ist der Marktführer für Suchmaschinen in China immer noch der lokale Anbieter Baidu mit einem Marktanteil von 67 Prozent, Google muss sich mit 30 Prozent zufrieden geben. Der Anteil Chinas am Gesamtgeschäft von Google wird auf gerade einmal ein Prozent geschätzt.

Die Sicherheit der E-Mailkonten chinesischer Oppositioneller sollte kein Grund für den Ruckzug gewesen sein, denn wären die E-Mails nicht sicher müsste Google den Service weltweit einstellen, nicht nur in China.

Hinzu kommt, dass der Angriff auf die E-Mail-Konten wohl auch hätte stattfinden können, wenn Google in China nicht präsent gewesen wäre. Der Rückzug löst das Problem nicht. Im Gegenteil: China ohne Google würde bedeuten, dass chinesischen Surfern ein vertrauenswüdiger E-Maildienst weniger zur Verfügung steht, es trifft wie so oft die falschen. Galt 2006 noch das Motto "Lieber zensierte Ergebnisse ausspucken als gar keine", gilt heute "Pfui Zensur, da machen wir nicht mit". Google ist bekannt für sein inoffiziellen Leitspruch: "Don' be evil", frei übersetzt, "tu' nichts böses". Dieses Motto hatten die Gründer Lawrence Page und Sergey Bin 2004 in einem Brief an die Anteilseigner in die Welt gesetzt. Damals noch bezogen auf die Trennung von Suchergebnissen und Werbung ist es so etwas wie eine Unternehmensphilosophie geworden dass sich jetzt prima aufwärmen lässt.

Mit einem möglichen Rückzug sammelt Google derweil Sympathiepunkte in der westlichen Welt. Der Suchrise erscheint als Fels in der Brandung der Meinungsfreiheit und das dürfte auch der entscheidende Grund für den Rückzug sein. Der Verzicht auf ein Prozent Geschäft für eine weltweite Imagekampagne und positives Medienecho erscheint ein geschicktes Geschäft.

Tatsache ist, dass sich Google wie alle anderen Internetunternehmen in China bisher der chinesischen Zensur beugte und Suchergebnisse filterte. Geschäftsinteressen haben auch beim Suchmeister bisher stärker gewogen als Ideale wie Demokratie und Meinungsfreiheit. Wer in China auf www.google.cn Informationen zum Beispiel über die Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 sucht, wird nicht fündig. Beugt sich Google nicht mehr den chinesischen Gesetzen wird die Seite gesperrt oder die chinesische Regierung filtert die Suchergebnisse durch eine eigene Software, so wie es derzeit der Fall ist, wenn Chinesen die US Version unter www.google.com aufrufen.

Spannend bleibt, wie sich andere US Unternehmen auf dem chinesischen Suchmarkt verhalten, insbesondere Google's Hauptkonkurrent Microsoft mit seiner Suchmaschine Bing. Microsoft hat unlängst den chinesischen Suchmarkt ins Fadenkreuz genommen. Experten rechnen aber damit, dass Microsoft ein möglicher Rückzug von Google kaum Vorteile verschaffen wird, vielmehr wird der lokale Anbieter Baidu profitieren.

An die Stelle Googles werden also andere - regimetreue - Anbieter treten. Der Demokratie und Meinungsfreiheit ist damit nicht gedient, allenfalls sorgt der Rückzug vorübergehend für Medienecho und bringt die Zensur Chinas in das Bewusstsein der Welt. Bewirken wird Googles Aktion nichts. Was westliche Regierungen über Jahre anprangern wird ein Internetunternehmen nicht ändern können, auch nicht wenn es Google heißt.

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Lena Hofmann

Frau Hofmann ist Diplom-Volkswirtin und arbeitet neben der Betreuung Ihrer Kinder für eine große Deutsche Bank. Ihr Interesse gilt Themen aus der Welt der Wirtschaft, Arbeit und Karriere. Als Team-Playerin ist Frau Hofmann auch seit langem begeisterte Volleyballerin.

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Hacker, Spionage, Google, unsicher?

1.) "Die Hacker haben bei Ihrem Angriff auf Google die E-Mails chinesischer Oppositioneller ausgelesen." ....

2.) "Die Sicherheit der E-Mailkonten chinesischer Oppositioneller sollte kein Grund für den Ruckzug gewesen sein, denn wären die E-Mails nicht sicher müsste Google den Service weltweit einstellen, nicht nur in China."

Ja was denn nun? Hacker-Angriff auf Google GMail und dort E-Mails ausspioniert oder wurde der Angriff unterbunden? Es liest sich so, als ob Sie es selbst nicht wussten als Sie diesen Artikel geschrieben haben.

Um es kurz zu fassen: Ich stimme mit Ihrer Meinung, dass Google damit überhaupt nichts erreicht, in keinster Weise überein. Wie Sie bereits in Ihrem Kommentar auf Carta gezeigt haben, scheint es Ihnen nicht möglich Google aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Die von Ihnen zitierten

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Die von Ihnen zitierten beiden Aussagen widersprechen sich nicht. Aussage 1 sagt: E-Mailkonten wurden ausglesen. Aussage 2 sagt nur, dass E-Mailkonten ausgelesen wurde, kein akzeptabler Grund ist sich auch China zurückzuziehen.

Ich wollte nicht sagen, dass Google nichts erreicht. Sie haben sehr viel erreicht nämlich Publicity und Imagegewinn. Google geht es darum Geld zu verdienen, nicht die Welt zu verbessern oder tolle Services für lau anzubieten.

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